Comparis-Analyse: In welchen Schweizer Städten gibt es günstige Miet-Wohnungen?

07.02.2020 |  Von  |  Immobilien, News

La Chaux-de-Fonds ist das Mieter-Paradies unter den von Comparis untersuchten Schweizer Städten: Eine 3.5-Zimmer-Wohnung kostet dort im Vergleich zu Zürich weniger als die Hälfte. „Wer um Schweizer Grossstädte einen Bogen macht, spart jährlich mehrere Tausend Franken Miete“, sagt Comparis-Finanz-Experte Frédéric Papp.

Die Schweiz ist ein Hochpreisland. Das gilt auch für die Wohnungsmieten.

Der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz lancierte deshalb zusammen mit dem Verband Wohnbaugenossenschaften Schweiz, dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), der SP Schweiz und den Grünen die nationale Initiative „Mehr bezahlbare Wohnungen“. Am 9. Februar entscheidet das Volk über die Initiative.

Comparis analysierte vor diesem Hintergrund das Angebotsmietpreisniveau nach Zimmeranzahl (1 bis 6.5 Zimmer) von über 30 Schweizer Städten inklusive Agglomerations-Gemeinden ab 20’000 Einwohnern sowie von ausgewählten Städten/Gemeinden mit weniger als 20’000 Einwohnern.

Ein Mieter-Paradies ist das neuenburgische La Chaux-de-Fonds. Bei fast allen Wohnungsgrössen ist die Uhrenstadt am günstigsten: So kostet beispielsweise die Miete einer 3.5-Zimmer-Wohnung 1’180 Franken (Median)*. Zum Vergleich: In Zürich und Zug liegen die Mietpreise mit je rund 2’500 Franken mehr als doppelt so hoch.

„Das tiefe Preisniveau in La Chaux-de-Fonds ist unter anderem der geographischen Lage der Uhrenstadt und dem tiefen Einkommensniveau geschuldet“, erklärt Comparis-Finanz-Experte Frédéric Papp. Günstiger Wohnen bedeutet nicht automatisch mehr Geld im Portemonnaie zu haben. So zählen im Kanton Neuenburg die Steuersätze schweizweit zu den höchsten.

Vergleichsweise günstige Mietwohnungen gibt es über nahezu alle Wohnungsgrössen hinweg betrachtet auch in der jurassischen Hauptstadt Delsberg (JU) und in Siders (VS). So kosten in diesen peripheren Städten beispielsweise 1.5-Zimmer-Wohnungen weniger als 800 Franken und 5.5-Zimmer-Wohnungen weniger als 2’000 Franken.





Ersparnis von 12’000 Franken

Wohnungssuchende finden relativ günstigen Wohnraum auch in Städten in Pendlerdistanz zu Schweizer Grossstädten. Zürich ist von Olten, Frauenfeld und Aarau mit dem ÖV in 30 bis 40 Minuten erreichbar. Die Mietpreise von 3.5-Zimmer-Wohnungen betragen dort 1’540, 1’590 und 1’670 Franken (Median). Rund eine Stunde mit dem ÖV von Zürich liegen Solothurn und Schaffhausen. Hier belaufen sich die Median-Mieten um die 1’500 Franken.

„Wer in Schaffhausen wohnt und in Zürich arbeitet, spart somit bei einer 3.5-Zimmer-Wohnung 12’000 Franken pro Jahr an Mietkosten. Im Gegenzug fallen aber Zeit und Kosten fürs Pendeln an“, sagt Papp.

Innerkantonal sind die Preisdifferenzen im Vergleich zur Stadt Zürich zwar geringer, aber immer noch ansehnlich: Die Mietpreise in den Städten Wetzikon, Winterthur, Wädenswil, Uster, Dübendorf, Dietikon und Horgen liegen zwischen 1’840 und 2’100 Franken.

Grosse Preisdifferenzen auch unter Westschweizer Städten

Lausanne und insbesondere Genf sind bekannt für hohe Wohnungsmieten. Eine 3.5-Zimmer-Wohnung wird für 2’000 beziehungsweise 2’200 Franken ausgeschrieben. In Freiburg finden Wohnungssuchende im Gegensatz dazu eine 3.5-Zimmer-Wohnung für 1’520 Franken, in Bulle (FR) für 1’640 Franken. Beide Städte liegen weniger als eine Stunde mit dem ÖV oder dem Privatverkehr von Lausanne entfernt. Yverdon-les-Bains ist rund eine halbe Stunde von Lausanne entfernt. Die Wohnungsmiete liegt hier mit 1’680 Franken in einer ähnlichen Preislage.

Wenig Sparpotential gibt es in der Genferseeregion. Die Medianmieten für eine 3.5-Zimmer-Wohnung liegen hier zwischen 1’930 (Montreux) und 2’385 Franken (Nyon). Ein detaillierter Vergleich zwischen dem vergleichsweise kleinen Nyon und Genf zeigt: 2-, 2.5-, 3- und 3.5-Zimmer-Wohnungen sind gleich teuer oder sogar teurer als in Genf. Kleine (1- bis 1.5-Zimmer) und grössere Wohnungen (ab 4 Zimmern) sind indes in der Calvinstadt höherpreisig als in Nyon.

4.5-Zimmer-Wohnungen: Zürich und Zug am teuersten

1-Zimmer-Wohnungen sind mit 625 Franken ebenso in La Chaux-de-Fonds am günstigsten, gefolgt von Wil (SG), Siders (VS), St. Gallen und Biel mit je rund 700 Franken.

4.5-Zimmer-Wohnungen kosten in den Walliser Städten Siders (VS), Sitten und Brig-Gils sowie in den Tessiner Städten Bellinzona und Mendrisio, in den Nordostschweizer Städten Schaffhausen, Wil und St. Gallen zwischen 1’650 und knapp 1’800 Franken. La Chaux-de-Fonds ist auch bei dieser Wohnungsgrösse mit rund 1’500 Franken am günstigsten. Mehr als doppelt so teuer ist wiederum Zürich, zusammen mit Zug.

Methodik

Als Datenbasis dienten rund 230’000 Wohnungsinserate im Zeitraum von 1. Januar 2018 bis Ende 2019 auf comparis.ch, dem grössten Online-Immobilienmarktplatz der Schweiz. Die betrachteten Mietwohnungen umfassten Wohnungen mit 1- bis 6.5 Zimmern. Betrachtet wurden 33 Städte, die gemäss der Statistik der Schweizer Städte 2019 (Bundesamt für Statistik) mindestens 20’000 Einwohner haben. Zudem wurden ausgewählte Städte/Gemeinden mit weniger als 20’000 Einwohnern berücksichtigt, die sich in der Nähe von Zentren befinden wie beispielsweise Wädenswil (ZH) oder Nyon (VD).

 

Quelle (Text + Grafiken): comparis.ch
Titelbild: Jaroslav A. Polak – shutterstock.com

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