Ungezieferbefall in der Mietwohnung: wer zahlt?

20.03.2015 |  Von  |  Allgemein
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Ungezieferbefall in der Mietwohnung: wer zahlt?
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Es ist schon ekelhaft genug, wenn in der Mietwohnung plötzlich Motten, Maden oder Schaben auftreten. Noch schlimmer ist allerdings das Krankheitsrisiko, das viele Insekten mit sich bringen. Die Tierchen müssen weg, die Frage ist nur: Wer kommt dafür auf?

Liegt tatsächlich ein Befall mit Schädlingen vor, stellt das rechtlich einen Mangel an der Mietsache dar. Der Vermieter wäre in diesem Fall verpflichtet, die Kosten für den Kammerjäger aufzubringen.

Dazu muss man aber genau differenzieren, denn nicht jedes Insekt ist automatisch ein Schädling. So ist das sporadische Auftreten kleiner Obstfliegen völlig normal und lässt sich mit der Entsorgung offener Lebensmittel problemlos in den Griff bekommen. Dasselbe gilt für einzelne Stechmücken oder Wespen, die im Sommer durch ein geöffnetes Fenster in die Wohnräume gelangen.

Bei einem geringfügigen Befall ist der Mieter dafür verantwortlich, die Plagegeister zu bekämpfen. Liegen die Kosten dafür unter 150 Franken, hat er sie grundsätzlich selbst zu tragen.

Ist der Mangel durch massiven Schädlingsbefall aber eindeutig, muss der Vermieter schnell für Abhilfe sorgen. Mieter sollten den Vermieter unverzüglich mit eingeschriebenem Brief über das Problem informieren und ihm eine Frist zur Beseitigung setzen. Unternimmt er daraufhin nichts, besteht die Möglichkeit, über eine Minderung oder amtliche Hinterlegung des Mietzinses Druck auszuüben. Es ist aber sinnvoll, sich vorher rechtlichen Rat einzuholen. Die Mieterverbände helfen hier weiter.

Bei einer Ausnahme liegt die Kostenpflicht theoretisch wieder beim Mieter: Wenn er nachweislich die Insektenplage selbst verschuldet hat. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn er auf der Terrasse Styropor lagert, in das sich Wespen einnisten oder sein Hund Flöhe einschleppt. In der Praxis ist der Nachweis dafür aber kaum zu erbringen, sodass in aller Regel der Vermieter zahlen muss.

Vorbeugen ist besser als bekämpfen 

Schädlinge kommen auch in den saubersten Wohnungen vor, sie sind kein Indiz für mangelnde Hygiene der Bewohner. Vielmehr finden Insekten in unseren Häusern geradezu paradiesische Lebensbedingungen: Die Wohnräume sind warm, es gibt viele Ritzen und Winkel, in den Küchen und Badezimmern herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Dazu noch jede Menge Nahrung in Form von Pflanzen, Lebensmitteln, Holz, Haustieren oder uns selbst. Kein Wunder, dass die unerwünschten Gäste meist gar nicht mehr ausziehen wollen.

Der erste Schritt besteht in der Vorsorge, damit es gar nicht zu einem massenhaften Auftreten kommt. Wir sollten es dem Ungeziefer möglichst ungemütlich machen. Das erhöht die Chancen, dass es von selbst wegbleibt.


Ist der massive Schädlingsbefall eindeutig, muss der Vermieter schnell für Abhilfe sorgen. (Bild: © Andrey Popov - shutterstock.com)

Ist der massive Schädlingsbefall eindeutig, muss der Vermieter schnell für Abhilfe sorgen. (Bild: © Andrey Popov – shutterstock.com)


Diese Massnahmen haben sich bewährt:

  1. Alle Vorratsschränke übersichtlich einräumen und regelmässig gründlich mit heisser Seifenlauge reinigen. Lebensmittel nur in kleinen Packungen kaufen und schnell verbrauchen.
  2. Neu gekaufte Lebensmittel vor dem Einräumen auf Schädlingsbefall prüfen.
  3. Trockene Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Mehl, Teigwaren in aromadicht schliessende Behälter umfüllen. Diese sollten aus Glas, Kunststoff oder Metall bestehen. Die Verkaufspackungen aus Papier oder Folie reichen nicht aus, die Schädlinge können sich durchfressen und im Haus ausbreiten.
  4. Steht der Kauf neuer Möbel für die Vorräte an, sind Schränke aus Metall zu empfehlen. Generell ist eine geradlinige Form der Möbel von Vorteil, ohne Schnörkel, in die sich Schädlinge einnisten können.
  5. Täglich gründlich bei weit geöffneten Fenstern einige Minuten lüften, um die Luftfeuchtigkeit im normalen Bereich zu halten und Schimmel zu vermeiden. Allfällige Feuchtstellen kontrollieren, bei Bedarf trocknen.
  6. Fliegengitter an den Fenstern halten Käfer und Fluginsekten fern und schützen im Sommer vor Stechmücken. Es ist auch sinnvoll, die Kellerfenster zu vergittern, um Mäusen und Ratten den Zugang zu erschweren.
  7. Risse in Wänden mit Spachtelmasse schliessen, poröse Fugen mit Silikon ausbessern oder erneuern.
  8. Zur Vorbeugung von Kleidermotten Duftsäckchen mit Lavendel, Kampfer oder Zedernholz in die Schränke legen. Teppiche und Mäntel regelmässig ausklopfen.

Massnahmen ergreifen 

Bei den meisten Insekten in unseren Wohnungen handelt es sich um sogenannte Vorratsschädlinge, die Lebensmittel befallen. Oft lässt sich das Problem mit einfachen Mitteln beseitigen, ehe sich die Plagegeister massenhaft vermehren.

Verzichten Sie nach Möglichkeit auf Ungezieferspray und Gift. Das schadet nicht nur der Umwelt, es ist auch der eigenen Gesundheit wenig zuträglich. Vor allem bei Kindern und alten Menschen kann es zu Problemen kommen. Wichtig: Finger weg von Rattengift und Mäuseködern! Für Kinder besteht Lebensgefahr. Auch sind schon viele Haustiere daran gestorben. Aus Tierschutzsicht ist dieses Gift ohnehin strikt abzulehnen: Die Mäuse und Ratten sterben qualvoll, indem sie über mehrere Tage innerlich verbluten. Immerhin sind es Säugetiere, die Schmerzen bewusst erleben. Die einzig vertretbare Tötungsmethode für Laien sind Schlagfallen, die nur auf einer Seite Zugang bieten und zuverlässig töten. Wer sich für Lebendfallen entscheidet, muss die Tiere weit von der Wohnung entfernt aussetzen. Bitte diese Tiere nur mit Handschuhen berühren, sie können Krankheiten übertragen. Bei massivem Befall führt meist kein Weg an einer Schädlingsbekämpfungsfirma vorbei.

Der wichtigste Schritt bei Vorratsschädlingen wie Mehlmotten, Käfern oder Ameisen: Befallene Lebensmittel sofort entsorgen, Müllsäcke gut verschliessen und aus der Wohnung bringen. Schränke und Arbeitsflächen mit heisser Seifenlauge reinigen, gut trocknen. Ameisen wandern meist gut sichtbar hintereinander auf ihren „Strassen“. Verstreuen Sie auf diese Stellen etwas Maismehl, die Ameisen können dieses Mehl nicht verdauen und verenden.

Kleidermotten nisten sich bevorzugt in Stoffen ein, die aus tierischem Material bestehen: Pelze, Felljacken, Teppiche, Wollsachen. Befallene Textilien so heiss wie möglich waschen und nach dem Trocknen für eine Woche im Gefrierschrank lagern, sofern es die Grösse zulässt.

Küchenschaben sind besonders hartnäckig und befallen oft ganze Mehrfamilienhäuser. Sie vermehren sich rasant und ernähren sich von pflanzlichen sowie tierischen Stoffen, darunter Bioabfälle, Holz, Papier, Leder und Zimmerpflanzen. Mit normalen Mitteln ist ihnen meist nicht beizukommen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, Abfälle täglich zu entsorgen und Köderfallen aufzustellen. Diese müssen mindestens ein Vierteljahr stehenbleiben, damit auch alle Nachkommen getötet werden. Hier ist ebenfalls eine Fachfirma die richtige Anlaufstelle, denn Schaben können Krankheiten übertragen und Allergien auslösen.



Weitere Informationen über Schädlinge und ihre Bekämpfung erhalten Sie auf der Internetseite der Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich oder über das Bundesamt für Gesundheit.

 

Oberstes Bild: © pran – shutterstock.com



Über Andrea Durst

Ich bin selbstständige Texterin und liebe an meinem Beruf die Abwechslung bei der Umsetzung unterschiedlicher Kundenwünsche. Auch die persönliche Freiheit spielt eine grosse Rolle: Arbeiten zu jeder beliebigen Zeit und an jedem Ort, natürlich immer im Rahmen der Abgabetermine. Für die Belmedia-Portale schreibe ich sehr gern, da die Autoren Themen wählen können, die sie persönlich am meisten interessieren. In meinem Fall sind das Tiere und Tierschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ernährung, Pflanzen und Naturkosmetik.


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