In der Schweiz wohnhafte Ausländer(innen) sind zufrieden mit ihrer Wahlheimat

08.06.2021 |  Von  |  News

Knapp 7’400 in der Schweiz wohnhafte Ausländer*innen haben an der Umfrage zu Migration und Mobilität eines Forschungsteams des „nccr – on the move“ der Universität Genf teilgenommen.

Daraus haben sich interessante Erkenntnisse dazu ergeben, wie Migrant*innen ihr Leben in der Schweiz während der COVID-19 Pandemie wahrgenommen haben.

Die Mehrheit der Befragten war der Meinung, dass die Schweiz der richtige Aufenthaltsort für sie sei, auch wenn Einschränkungen in der internationalen Mobilität sie daran hinderten, in ihr Heimatland zu reisen und ihre Familien zu besuchen.

Zu den Hauptzielen des „nccr – on the move“ zählt, die internationale Mobilität der Migrant*innen sowie ihre Lebensumstände in der Schweiz besser zu verstehen. Zu diesem Zweck führt ein Forschungsteam alle zwei Jahre den Migration-Mobility Survey durch. Dieser erhebt wertvolle Daten über das Leben der in der Schweiz wohnhaften Ausländer*innen und soll letztlich zur Verbesserung ihrer Aufnahme und Integration im Land beitragen.

Die dritte Welle der von Professor Philippe Wanner von der Universität Genf und seinem Team geleiteten Umfrage fand im Herbst 2020 statt, inmitten der COVID-19-Pandemie. Die Teilnehmer*innen wurden zu Themen wie Migrationserfahrung, Berufstätigkeit, Familiensituation, soziale Kontakte, Verbindungen zu ihren Herkunftsländern sowie zu ihren Lebensbedingungen in der Schweiz befragt. Für den Fragebogen von 2020 wurde zudem ein zusätzliches Umfragemodul erarbeitet, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die Erfahrungen der Migrant*innen zu eruieren.

Knapp 7’400 Ausländer*innen beteiligten sich an der Umfrage und ermöglichten so aufschlussreiche Einblicke in ihre Wahrnehmung des Lebens in der Schweiz. Entgegen den befürchteten heftigen negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Arbeitsmarktbeteiligung verloren nur 5 % der befragten ausländischen Einwohner*innen ihren Arbeitsplatz. Im Schnitt hatten Unternehmer*innen sowie Selbstständige grössere Schwierigkeiten als Angestellte. Mit Blick auf die demografischen Kategorien scheinen wenig qualifizierte ausländische Arbeitnehmer*innen sowie jüngere Altersgruppen stärker betroffen als hoch qualifizierte Arbeitnehmer*innen und ältere Altersgruppen.

Im Vergleich zur ersten Erhebungswelle erhöhte sich die Zahl der ausländischen Einwohner*innen mit Hochschulbildung um 8 % (von 51.2 % auf 59.5 %). Die Migration hochqualifizierter Personen in die Schweiz nimmt also zu. Darüber hinaus sind fast 80 % der Migrant*innen der Meinung, dass sich ihre Beschäftigungssituation im Vergleich zu ihrer Situation vor der Migration deutlich oder leicht verbessert hat.

Die Umfrage erhob die völlig aussergewöhnlichen Lebensumstände der Ausländer*innen während der Pandemie, als sich die meisten Befragten im Lockdown in der Schweiz befanden. In diesem Zusammenhang ist es interessant festzustellen, dass die Mehrheit ein positives Bild der Schweiz hat. 77 % der Befragten waren der Ansicht, dass die Schweiz der richtige Aufenthaltsort für sie sei. Nur eine Minderheit (7 %) gab an, dass sie lieber in ihrem Herkunftsland geblieben wäre. Mehrere Indikatoren deuten darauf hin, dass sich das Gefühl des „Unwohlseins“ bei den ausländischen Einwohner*innen insgesamt in Grenzen hält. Dennoch befürchteten rund 10 % der Befragten, dass sie wegen der Pandemie und ihrer Folgen ihre Aufenthaltsgenehmigung verlieren könnten.

Interessant erscheint auch, dass die in der Schweiz lebenden Menschen asiatischer Herkunft angaben, dass ihnen mehr Empathie entgegengebracht werde als anderen Gemeinschaften (mit Ausnahme von Personen nordamerikanischer Herkunft), und dass sie die Einbürgerung häufiger als Möglichkeit sahen, ihren Aufenthaltsstatus in der Schweiz zu festigen.

Trotz allem waren die Auswirkungen der pandemiebedingten Einschränkungen der internationalen Mobilität gross. Im Vergleich zu 2018 hat sich der Anteil der Migrant*innen, welche ihr Herkunftsland in den letzten zwölf Monaten nicht besuchten, 2020 mehr als verdoppelt (von 14% auf 33%). Umgekehrt haben im letzten Jahr auch die Besuche von im Herkunftsland lebenden Verwandten deutlich abgenommen (von 72% auf 48%).

Welche langfristigen Folgen die Einschränkungen der Mobilität haben werden, bleibt abzuwarten. Die nächste Erhebung des Migration-Mobility Survey im Jahr 2022 durch Professor Wanner und sein Team dürfte wichtige Informationen über die mittel- und langfristigen Folgen der Pandemie für die in der Schweiz wohnhaften Ausländer*innen liefern. Die Untersuchungsergebnisse der Befragung im Jahr 2020 lassen den vorläufigen Schluss zu, dass die in der Schweiz lebenden Migrant*innen die Tatsache, dass sie während der COVID-19-Pandemie das Land kaum verlassen konnten, eher als positive Erfahrung werten.

 

Quelle: nccr – on the move
Titelbild: obs/nccr – on the move

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