Zinsniveau ist nicht allein das wichtigste Puzzleteil bei der Immobilienfinanzierung
VON belmedia Redaktion Immobilien News
Die derzeit steigenden Hypothekarzinsen setzen viele Schweizer unter Druck und verursachen Torschlusspanik. Doch der Zins allein macht keine gute Hypothek.
Bei der Erfüllung des Traums vom Eigenheim ist es wichtig, die Gesamtsituation zu bewerten – denn Hypotheken sind so individuell wie ihre Hypothekarnehmenden. Auf was es bei der optimalen Finanzierung wirklich ankommt, erklärt Hypothekarexperte Michael Bader von FinanceScout24.
Wer sich mit der Finanzierung des Eigenheims beschäftigt, wird sich früher oder später mit Hypothekarzinsen auseinandersetzen. Auch wenn diese ein wichtiges Kriterium bei der Kalkulation der Hypothek sind, sollten zukünftige Hauseigentümer auch andere Faktoren geltend machen. Denn allein die unbeständige Natur der Zinsen kann eine heute gefällte Entscheidung in kurzer Zeit teuer zu stehen kommen. Hypothekarexperte Michael Bader von FinanceScout24 erklärt, warum es riskant sein kann, den Fokus bei der Wahl der passenden Hypothek ausschliesslich auf niedrige Zinsen zu legen.
Zinsachterbahn: Schwankungen richtig einschätzen
Die Zinsentwicklung hängt von der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz und der weltwirtschaftlichen Lage ab. So können zum Beispiel die corona-bedingten Lockdowns an der Zinskurve abgelesen werden. Doch um diese Verknüpfung herstellen zu können, bedarf es eines grundsätzlichen Verständnisses von Zinsen, welches erlaubt, Prognosen aufzustellen. Nur dieses hilft bei der Entscheidung für oder gegen eine Hypothek.
„Generell denken viele Kundinnen und Kunden, dass sie genau denselben Zins offeriert bekommen, den sie aufgrund ihrer eigenen Online-Kurzrecherche erhalten. Sobald sie die konkrete Offerte jedoch in den Händen halten, sind sie bitter enttäuscht“, so Michael Bader. Denn Zinssätze können schon innerhalb weniger Tage stark variieren.
So kann es passieren, dass zwischen der Online-Anfrage, dem Einreichen eines vollständigen Hypothekendossiers bis hin zur Bewilligung und Vertragserstellung einige Wochen vergehen und das Zinsniveau sich zwischenzeitlich verändert hat – im schlimmsten Fall sogar erhöht. „Solche Änderungen sorgen für viel Misstrauen bei Hypothekarnehmenden, da sie sich diese oftmals nicht erklären können und die Finanzinstitute dafür verantwortlich machen“, erklärt Bader. Der Zinssatz einer angebotenen Hypothek basiert allerdings auf verschiedenen Parametern, wie etwa Art, Lage und Alter der Liegenschaft, der individuellen Lebenssituation und der Bonität der Kunden vor und nach dem Kauf.
Mündige Kunden: Die richtigen Fragen stellen
Es ist essenziell, sich nicht nur mit den aktuellen Zinssätzen zu befassen, sondern auch seine eigene Situation genau zu analysieren und zu bewerten. Wichtig dabei ist die Frage der Höhe des Eigenkapitals: Wie viel Geld steht als Absicherung für den Hypothekengeber zur Verfügung? Auch das Einkommen muss genau betrachtet werden: Gibt es einen Fixlohn, werden Boni, Provisionen oder Firmenanteile zusätzlich ausbezahlt oder sind gar mehrere Gehälter oder weiteres Einkommen vorhanden? All dies bildet die Grundlage für eine positive Tragbarkeit.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie die Finanzierung grundsätzlich strukturiert ist, denn davon hängt die konkrete monatliche Belastung ab. Deshalb ist die Höhe und Art des eingesetzten Eigenkapitals mindestens so wichtig wie die sorgfältige Auswahl der Laufzeit sowie des Hypothekentyps, um eine optimale Kostensituation und ausreichende Liquidität zu bieten. Ausserdem sind Zweitmeinungen immer hilfreich, um Offerten richtig einzuschätzen. Es zahlt sich aus, unabhängige Expert:innen zu Rate zu ziehen.
Die optimale Finanzierung
Wer bei der Verwirklichung seines Haustraums nicht in einer Sackgasse enden will, sollte die Finanzierung nicht ausschliesslich von Hypothekarzinsen abhängig machen, sondern den Gesamtkontext betrachten. Wichtig dabei ist, die Marktentwicklung zu berücksichtigen, um so die optimale Finanzierung zum richtigen Moment für die Kunden zu ermöglichen. Dies bedeutet nicht, dass alle plötzlich zu Finanzierungsexperten werden müssen. Eine gute Vorbereitung hilft allerdings dabei, sich selber und den Hypothekargebern die richtigen Fragen zu stellen – und die Antworten angemessen einschätzen zu können.
Quelle: Scout24
Bildquelle: Scout24